American Stock Exchange (AMEX)
Auch wenn allgemein angenommen wird, dass es neben der NYSE (New York Stock Exchange) und dem Computerhandelssystem Nasdaq keine weiteren namhaften US-amerikanischen Börsen gäbe, ist die AMEX als zweitgrößter amerikanischer Wertpapierhandelsplatz nach der NYSE, wohl unbekannter, dennoch nicht weniger einflussreich, was die Konstellationen und Kalkulationen der internationalen Finanzszene angeht. Anfang der 1920er Jahre gegründet und in New York City angesiedelt, handelt die Wertpapierbörse zum Großteil Wertpapiere, die an der NYSE nicht oder noch nicht zugelassen sind. Überhaupt ist der Finanzstandort USA diversifizierter und vielschichtiger, als allgemein angenommen. So existieren neben den großen Börsen Nyse, Amex und Nasdaq auch weitere spezialisierte Wertpapierbörsen wie beispielsweise die CBOT (Chicago Board of Trade), an welcher hauptsächlich Future auf Rohstoffe gehandelt werden. Aber auch andere amerikanische Regionalbörsen in Boston und Philadelphia gewinnen immer mehr an Bedeutung.
Die American Stock Exchange (meist AMEX, manchmal jedoch auch ASE abgekürzt), welche 1998 mit der NASDAQ fusionierte, hat sich wie eben jene Regionalbörsen eine Handelsnische geschaffen, indem sie sich den Wertpapieren widmet, die (noch) keine NYSE-Zulassung haben. Damit konkurriert sie nicht direkt mit einem der größten Handelsplätze weltweit, sondern erschafft parallel dazu neue Angebote für die Small-Caps unter den börsennotierten Unternehmen. Jene sehen außerdem eine AMEX/ASE-Notierung als Vorstufe zur endgültigen Zulassung an der NYSE.
Bis 1921 nannte sich die AMEX New York Curb Exchange, was auf die anfangs außerbörsliche Tradition, den Handel an den Straßenrändern mit amerikanischen Staatsanleihen, beginnend in den 1840er Jahren, hinweist. Mit dem Umzug von den Bordsteinen weg in die Hallen des Art-deco-Gebäudes in Lower Manhattan, erfolgte auch die Umbenennung und die Erweiterung des Handels, der heute vor allem auf Indexaktien und Indexfonds zielt. Dies kann auch als Folge der wachsenden Bedeutung und Größe der NYSE gesehen werden, die sich nach und nach den Handel mit Aktien sicherte und somit AMEX zwang sich gerade auch in den letzten Jahren und Jahrzehnten dem Handel von Optionsscheinen und Optionen zu widmen.
Auch um dem Computerhandelssystem Nasdaq etwas entgegensetzen zu und sich vom ausschließlichen Parketthandel lösen zu können, wurde vor kurzem AEMI (Auction & Electronic Market Integration) gegründet, die neue automatisierte Handelsplattform des American Stock Exchange. Während anfangs nur Order für Indexfonds und Indexaktien platziert werden konnten, ist es mittlerweile möglich, auch Optionen elektronisch zu handeln. AEMI ermöglicht es, dass AMEX die besten Gebote und Angebote auf dort gelistete und auch nicht gelistete Titel ohne nennenswerten Zeitverlust handeln kann. Da AMEX dafür bekannt ist, weniger rigorose Handelsbestimmungen- und Beschränkungen beispielsweise wie die NYSE anzusetzen und dies vor allem, für Umsätze und Kapitalisierung der Unternehmen gilt, streben viele junge AGs an die AMEX. Eingeteilt in 4 Standard-Stufen, rangieren die Unternehmen je nach Umsatz pro Jahr in diesen vier Gruppen. Auch weitere Kriterien, wie die Dividendeausschüttung an die Aktionäre, sind entscheidenden Klassifikationen, was Zulassung oder Nicht-Zulassung angeht. Ebenso werden qualitative Faktoren berücksichtigt. So werden die Art des Geschäfts, die Produkte bzw. Dienstleistungen, bishin zur Reputation der Geschäftsführung im Speziellen und das Unternehmens im Allgemeinen zu Rate gezogen. Nicht zuletzt spielen auch die wirtschaftliche Entwicklung und der Ausblick in die unternehmerische Zukunft mit Bezug auf eventuelle Marktverschiebungen eine entscheidende Rolle. Weiterhin versucht AMEX, vor allem im Hinblick auf ausländische Listing-Anwärter, deren Vorgehensweise bei der Vorstandswahl, die Veröffentlichung der vierteljährlichen Kennzahlen, die Zustimmungspflicht der Aktionäre zu bestimmten Umstrukturierungen und auch finanzrechtliche Besonderheiten mit einzubeziehen.
Anträge auf Handelsaufnahme für bestimmte Wertpapiere seitens Banken und Brokern werden jedoch generell unkomplizierter statt gegeben. Vor allem werden fast alle offene US-Fonds an der AMEX gehandelt. Mit mittlerweile mehr als 2000 Titeln sind dies sowohl für private als auch institutionelle Investoren attraktive Investitionsmöglichkeiten. Ebenso jedoch werden aber auch eine große Vielzahl und Variationen von Optionsscheinen angeboten. Genauso jedoch sind auch Aktien und Indices Hauptbestandteile des täglichen Handels an der AMEX. Unter den umsatzstärksten Unternehmen, deren Aktien an dieser Börse gehandelt werden, zählen die British American Tobacco, Imperial Oil Limited, wie auch die Seaboard Corporation und Bio-Rad Laboratories. Nicht nur aus ihnen setzt sich der Amex Composite Index (XAX) zusammen, der Ende letzten Jahres einen Höchststand von 2069, Punkten verzeichnen konnte.
Darüber hinaus hat AMEX den Inter@ctive Week Internet Index ins Leben gerufen, einen Index, der die Kursverläufe an der AMEX notierter Internet-Unternehmen wiedergibt.
Nicht nur die wirtschaftliche Nähe zum Finanzschauplatz New York, sondern auch die unmittelbare Nachbarschaft zum World Trade Center, zwangen AMEX nach dem 11. September 2001 zeitweilig nach Philadelphia in die Räume des Philadelphia Stock Exchange, der ältesten amerikanischen Börse, zu ziehen. Doch schon ein Jahrzehnt davor gab es einige Turbulenzen an der AMEX. Als Verantwortliche versuchten, die Börse durch Lockerung der Aufnahmebestimmungen für ein großes Anlegerpublikum interessant zu machen, zogen einige Small-Caps-Unternehmen an kleinere regionale Börsen um. Aber auch Beschuldigungen aufgrund Unregelmäßigkeiten bei Handelsabläufen lösten Ende der 90er Jahre Untersuchungen und eine Pressekampagne aus, die dem Image der AMEX erheblich schadete. Die AMEX/ASE versteht sich mittlerweile als Börse der Fonds und Optionen, traditionell auch der Staatsanleihen und somit nicht als Konkurrenz zur NYSE mit den Aktien der Global Player.