Tokioter Börse / Tokyo Stock Exchange

Tokioter Börse Die Tokioter Börse ist heute nach dem New Yorker Handelsplatz die weltweit größte Börse. Die 766 Angestellten der Aktiengesellschaft stehen unter der Leitung von 16 Direktoren und sieben Verwaltungsdirektoren. Der `real-timeī-Handel der japanischen Börse wird zudem vom japanischen Premier beaufsichtigt. Die Börse in Tokio verfügt über ein Finanzvolumen von etwa 11,5 Milliarden Yen, und täglich wechseln etwa 2,3 Millionen Aktien ihre Besitzer. Der Handel findet täglich zwischen 2.00 Uhr - 4.00 Uhr und 5.30 - 8.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt.

Derzeit sind am Tokyo Stock Exchange insgesamt knapp 2300 inländische Firmen gelistet und außerdem werden weitere 31 ausländische Unternehmen gehandelt.

Rechnerzentrum der Tokioter Börse Der Parketthandel ist seit dem Jahr 1999 komplett durch ein elektronisches System ersetzt, da es kostengünstiger und effizienter arbeitet. Die Geschäfte werden direkt zwischen Käufer und Verkäufer abgewickelt, wobei die Preise öffentlich zugänglich sein müssen. Die interne Preiskontrolle des Tokioter Handelsplatzes reagiert immer dann, wenn ein Wert außergewöhnlichen Kursschwankungen ausgesetzt ist. In einem solchen Fall, kann der Wert vom Handel ausgesetzt oder die Aktie ganz ausgeschlossen werden. Gehandelt wird hier auf drei verschiedenen Märkten: auf dem ersten Markt sind mittlerweile etwa 1600 japanische Firmen gelistet, bei denen es sich um große etablierte Unternehmen handelt. Der zweite Markt wurde 1961 ins Leben gerufen, hier werden alle die Firmen gehandelt, die neu an der Börse einsteigen. Auf dem dritten Markt, auch `Mutterī genannt, können seit 1985 Aktien von schnell wachsenden Start-upīs erworben und verkauft werden. Letzterer ist gleichzeitig auch der am schnellsten wachsende dieser Marktplätze. Zu haben sind an der Tokioter Börse Aktien, Wertpapiere und Derivate. Der Börsenindex Nikkei ist nach der japanischen Wirtschaftszeitung Nihon Keizai Shimbun benannt und wird auch von dieser errechnet. Diese Zeitung legt dafür einen Durchschnitt aus 225 Werten als Standard Index zugrunde. Der zweite neben dem Nikkei existierende Index ist der TOPIX, der seit 1988 aus allen an der Börse gehandelten Aktien berechnet wird. Zur Gewichtung wird die Börsenkapitalisierung der verschiedenen Firmen herangezogen, die sich aus der Multiplikation des Aktienkurses mit der Anzahl aller ausgegebenen Aktien ergibt. Der Topix umfasst momentan über 1300 Aktien und wurde erstmals 1969 berechnet. Aufgrund der Erfassung aller Werte ist der Topix für Experten wesentlich aussagekräftiger in Bezug auf die japanische Wirtschaft. Die Tatsache, dass dieser Index abgesehen von einem Hoch Ende der 80er Jahre seit 20 Jahren auf demselben Niveau verharrt, verdeutlicht den Zustand der japanischen Wirtschaft, der gekennzeichnet ist durch Vertrauensverlust, Zurückhaltung der Privatanleger aufgrund zahlreicher Finanzskandale und unlauterer Geschäftspraktiken, sowie dem Missmanagement der großen japanischen Finanzinstitute.

Gegründet wurde der Tokyo Stock Exchange am 15. Mai 1878 unter der Leitung des damaligen Finanzministers Okuma Shigenobu. Der Handel begann im Juli desselben Jahres. Damit sollte eine Plattform für einen kontrollierten Handel mit Wertpapieren entstehen, wobei die Händler und ihre Geschäftspraktiken beaufsichtigt werden konnten. Damals wurden erstmals Staatsanleihen an die ehemaligen Samurai ausgegeben. Genau wie die japanische Wirtschaft erlebte die Börse in den 20er Jahren einen enormen Aufschwung. Zur Kapitalgewinnung waren Anleihen in Gold und Silber gang und gebe. Aber auch Japan blieb von der Weltwirtschaftskrise und dem 2. Weltkrieg nicht verschont. Im Jahr 1943 fusionierte die Tokioter Börse mit zahlreichen kleineren japanischen Handelsplätzen und wurde vollständig unter staatliche Kontrolle gestellt.

Sie war damit der größte Handelsplatz Ostasiens bis sie 1945 vollständig geschlossen wurde. Nach dem Krieg wurde sie am 16. Mai 1949 unter amerikanischer Aufsicht neben drei weiteren Börsen im Land wieder eröffnet. Die heutige im Jahr 2001 eingeführte Rechtsform der Börse wird auf japanisch als Kabushiki kaisha bezeichnet, und meint in etwa eine Aktiengesellschaft. Die vorherige Struktur entsprach eher einer Mitgliedschaft. Bis in die 60er Jahre hinein erlebte Japan ähnlich wie Deutschland einen Wirtschaftsboom und damit waren auch die Aussichten für Anleger blendend.

Staatliche Anleihen konnten nach dem Krieg erstmals wieder 1966 gehandelt werden. Seit 1970 ist die Tokioter Börse Mitglied des Internationalen Börsenvereins. Drei Jahre später konnten auf Basis des Yen erstmalig ausländische Aktien gehandelt werden und schon war 1969 eine Sektion für ausländische Werte eingerichtet worden. Nach einem Einbruch während der Ölkrise, ging das Wachstum beinahe ungebremst weiter. Auslöser für den späteren Zusammenbruch der Börse war der Anfang der 80er Jahre einsetzende Wirtschaftsboom, der dazu führte, dass die Leitzinsen der Bank of Japan seit 1982 stetig sanken.

Der Diskontsatz fiel bis 1987 sogar auf sagenhafte 2,5%, gleichzeitig stiegen die staatlichen Investitionen immer weiter an. Kredite auf den Finanzmärkten waren sehr billig zu haben. Damit einher ging ein wirtschaftlicher Aufschwung vor allem innerhalb der exportierenden Industrie des Landes.

Die Geld- und Finanzpolitik beförderte den Preisanstieg von Aktien und Immobilien. Diese Entwicklung animierte immer mehr Unternehmen fehlende Gewinne auf ihrem eigentlichen wirtschaftlichen Gebiet, durch Spekulationen an den Finanzmärkten auszugleichen.

Sie beliehen ihre Grundstücke und Produktionsstätten und profitierten auf diese Weise noch einmal von den hohen Immobilienpreisen. Dieser Wirtschaftsboom führte in der Folge dazu, dass sich der Aktienindex Nikkei innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelte und am 29. Dezember 1989 den Höchststand von 38.916 Punkten erreichte. Das gehandelte Aktienvolumen hatte sich verdoppelt und nun einen Umfang von 280 Millionen Yen. Das gleiche Wachstum erlebte die Börse für Wohnimmobilien, dabei waren aber die japanischen Grundstücks- und Immobilienwerte heillos überbewertet. Die bereits vorher vorhandenen Probleme der japanischen Volkswirtschaft verschärften sich dennoch weiter. So erreichte die japanische Börse in Tokio zu Beginn des Jahres 1990 einen neuen Höchststand und gleichzeitig ihr bis dahin größtes Desaster. Binnen Jahresfrist verlor der Aktienindex 40%. Viele Menschen und Unternehmen verloren innerhalb kürzester Zeit ihr gesamtes Vermögen. Eine wahrscheinlich weitaus größere Krise erlebte die Tokioter Börse jedoch im Jahr 1999, als der Handel 20 Minuten vor Börsenschluss eingestellt werden musste. Die japanische Wirtschaft hatte sich von den Ereignissen zum Anfang des Jahrzehnts noch nicht erholt, zahlreiche wirtschaftliche und innenpolitische Maßnahmen, wie die verstärkte Deregulierung, Privatisierung und Steuerreformen brachten nicht den erwünschten Erfolg. Die Asienkrise verstärkte diesen Trend zusätzlich.

Die Tokioter Börse leidet bis heute unter der Wechselhaftigkeit der japanischen Wirtschaft, der es auch in den letzten Jahren nicht gelungen ist die Krise zu überwinden, erst jüngst hatte der größte japanische Finanzplatz mit den Folgen des Hypothekenskandals von Amerika zu kämpfen. Seine einstige ökonomische Stärke konnte Japan und sein größter Handelsplatz bisher nicht zurückgewinnen.